Verbreitung und Meldepflicht von MRSA

Verbreitung

Die MRSA-Prävalenz variiert zwischen verschiedenen Krankenhäusern sowie innerhalb eines Krankenhauses in den verschiedenen Abteilungen. Diese Schwankungen innerhalb der unterschiedlichen Risikobereiche eines Krankenhauses bewegen sich zwischen 0 % und 35 %, in Einzelfällen sogar bis zu 60 %. Besonders betroffen sind die intensivmedizinischen Bereiche (s. Erklärung zu den Schwankungen von Daten).

Deutschland

Die Arbeitsgruppe "Bakterielle Resistenz" der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG) erhebt seit 20 Jahren systematisch deutschlandweite Daten zur Verbreitung des Erregers MRSA. Betrug der Anteil von MRSA an allen untersuchten S. aureus-Isolaten zwischen den Jahren 1976 und 1990 nie über 2,4 %, so stieg er alleine zwischen 1990 und 1995 von 1,7 % auf 12,9 % (2) und lag im Jahr 2001 bei über 20 % (3). Zwischen 2004 und 2007 hat sich der MRSA-Anteil von 17,5 % auf 20,3 % erhöht (3, 1). Allerdings hat sich der enorme Anstieg von MRSA, der in den 1990er Jahren zu beobachten war, nicht weiter fortgesetzt (1).

Für das Jahr 2011 hat die Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) am Robert Koch-Institut (RKI) eine Resistenzrate von 16,2 % ermittelt – der niedrigste Wert in den letzten zehn Jahren.

Die Verbreitung von MRSA auf Intensivstationen wird seit 2000 auch im Projekt SARI (Surveillance der Antibiotika-Anwendung und der bakteriellen Resistenzen auf Intensivstationen) ermittelt und bestätigt die Tendenzen der PEG: Die Resistenzraten (Formel: Anzahl resistenter Erreger/Anzahl getesteter S. aureus-Bakterien*100) von MRSA haben sich zwischen den Jahren 2001 und 2011 nur leicht verändert. Sie schwankten insgesamt zwischen dem niedrigsten Wert 19,5 und dem höchsten von 26,9 %. Die Anzahl von MRSA pro 1000 Patiententage (Inzidenzdichte) schwankt im Mittel etwa zwischen vier und fünf.

Eine Studie mit Beteiligung unserer Region (Landkreis Höxter) ermittelte neben der MRSA-Prävalenz in Krankenhäusern und Alten- und Pflegeheimen erstmals im betreffenden Kreis die für Rehabilitationskliniken. Diese lag im Untersuchungsjahr 2006 bei 1,2 %. In den an der Studie beteiligten Krankenhäusern lag sie bei 3,4 %, in den Alten- und Pflegeheimen bei 2,3 %. Hier geht es zum Abstract der Studie

Europa und weltweit

Laut der Daten des europäischen Netzwerks EARS-net (European Antimicrobial Resistance Surveillance Network) liegt Deutschland mit seiner aktuellen Resistenzrate aus dem Jahr 2011 (16,2 %) im Ranking von 29 Ländern in Europa auf Platz 13 (geordnet von niedrigen nach hohen Raten). Die niedrigste Resistenzrate ist in Norwegen mit 0,3 %, die höchste in Portugal mit 54,6 % zu finden (5).

In den Niederlanden und Skandinavien hält sich der Anteil der MRSA-Infektionen seit Jahren stabil auf unter 3 %. Insbesondere in den Niederlanden zeigt sich deutlich, dass ein konsequentes Vorgehen nach dem Prinzip "search and destroy" MRSA auf einen geringen Restanteil reduzieren lässt. Die Autoren einer groß angelegten Multicenterstudie zu MRSA mit 19 Laboratorien stellten fest, dass in Nordeuropa Resistenzen seltener auftreten als in Südeuropa. Darüber hinaus beobachteten sie, dass in Krankenhäusern mit einer hohen MRSA-Prävalenz oft nur eine oder mehrere Klone resistent waren, die gesammelt in einer bestimmten Einrichtung in einem definierten Zeitraum auftraten (6).

Global betrachtet treten auch MRSA auf, die gegen alle verfügbaren Antibiotika resistent sind. Dies ist z. B. in Japan der Fall, wo teilweise bis zu 30 % der MRSA als nicht mehr spezifisch therapierbar gelten. Ebenso gibt es Beschreibungen von nicht mehr therapierbaren MRSA aus den USA. Einen Überblick über die MRSA-Resistenzraten in den USA gibt das National Healthcare Safety Network (NHSN), das regelmäßig Berichte über die Resistenzen bakterieller Erreger von bestimmten nosokomialen Infektionen bereit hält.

Der internationale Datenvergleich zeigt, dass die Verbreitung von MRSA mit entsprechenden hygienischen Maßnahmen effektiv vermieden werden kann und Prävention hier eine zentrale Säule darstellt.

Meldeflicht

Die am 1. Juli 2009 eingeführte Labor-Meldepflicht für den Nachweis von MRSA aus Blut und Liquor (Hirnflüssigkeit) ist ein wichtiges Instrument zur Erfassung der MRSA-Last sowie ein wichtiger Indikator für die Objektivierung von Präventionserfolgen. Sie ist verankert in der „Verordnung zur Anpassung der Meldepflicht nach § 7 des Infektionsschutzgesetzes an die epidemische Lage (Labormeldepflicht-Anpassungsverordnung – LabMeldAnpV).

Die Einführung der Meldepflicht für MRSA ist eine von vielen Aktionen der Deutschen Antibiotikaresistenzstrategie (DART) im Gesundheitssektor, die in mehreren Stufen umgesetzt wird. Zentrales Ziel der DART ist die Reduzierung der Verbreitung von Antibiotika-Resistenzen und nosokomialen Infektionen.

Literatur

1. Kresken, M.; Hafner, D.; Schmitz, F.-J.; Wichelhaus, T. A. (2009): Resistenzsituation bei klinisch wichtigen Infektionserregern gegenüber Antibiotika in Deutschland und im mitteleuropäischen Raum. Bericht über die Ergebnisse einer multizentrischen Studie der Arbeitsgemeinschaft Empfindlichkeitsprüfungen & Resistenz der Paul-Ehrlich-Gemeinschaft für Chemotherapie e. V. aus dem Jahre 2007.

2. Kresken, M.; Hafner, D. (1999): Drug resistance among clinical isolates of frequently encountered bacterial species in central Europe during 1975-1995. Study Group Bacterial Resistance of the Paul-Ehrlich-Society for Chemotherapy. Infection – Journal of Infectious Disease 27 Suppl 2 (März), S. S2-8. Hinweis: Nur Vorschau, Volltext nicht frei zugänglich!

3. Kresken, M.; Hafner, D.; Schmitz, F.-J.; Wichelhaus, T. A. (2006): Resistenzsituation bei klinisch wichtigen Infektionserregern gegenüber Antibiotika in Deutschland und im mitteleuropäischen Raum. Bericht über die Ergebnisse einer multizentrischen Studie der Arbeitsgemeinschaft Empfindlichkeitsprüfungen & Resistenz der Paul-Ehrlich-Gemeinschaft für Chemotherapie e. V. aus dem Jahre 2004.

4. Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene Freiburg; Nationales Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ) (2012): Antibiotikaresistenz auf den an SARI beteiligten Intensivstationen. Resistenzraten (RR) im Zeitverlauf.

5. European Centre for Disease Prevention and Control (2013): Homepage. EARS-Net Database.

6. Zinn, C. S.; Westh, H.; Rosdahl, V. T. (2004): An international multicenter study of antimicrobial resistance and typing of hospital Staphylococcus aureus isolates from 21 laboratories in 19 countries or states. Microb. Drug Resist. 10 (2), S. 160–168. Hinweis: Nur Abstract, Volltext nicht frei zugänglich!