Reservoire

Allgemeines

Das antibiotikasensible Bakterium Staphylococcus aureus besiedelt (s. Kasten) bei Menschen und Tieren weltweit Haut- und Schleimhäute. Das Hauptreservoir ist der Mensch. Etwa 15 bis 40 % der gesunden Erwachsenen tragen diesen Hautkeim mit sich ohne zu erkranken (Kolonisation) (1). Auch kolonisierte Personen können MRSA weitergeben. Der Erreger siedelt sich vorrangig im Nasen-Rachen-Raum (Nasopharynx) an, kommt aber auch in anderen Haut und Schleimhautbereichen vor (s. Diagnostik/Nachweis). Wichtig ist, zwischen Besiedlung (= Kolonisation) und Infektion zu unterscheiden (s. Kästen).

MRSA tragen v. a. PatientInnen und Personal in der medizinischen Versorgung mit sich (3), weil sie dem Erreger häufig ausgesetzt sind (1). Im Krankenhaus ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von MRSA und einer möglichen Folgeinfektion besonders hoch, da hier immunsupprimierte PatientInnen und Menschen mit chronischen Erkrankungen aufeinander treffen, die zu möglichen Risikogruppen (s. u.; s. Screening) gehören. Für gesunde Personen ist die bloße Besiedlung (= Kolonisation) mit dem Keim ungefährlich.

Drei Formen von MRSA – in welchem Zusammenhang MRSA auftritt, ist entscheidend

HA-MRSA (health care-associated MRSA)

Ist MRSA mit dem Gesundheitswesen (z. B. Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen assoziiert, so wird er als HA-MRSA (health care-associated MRSA) bezeichnet (4). Besonders oft sind PatientInnen im Krankenhaus und BewohnerInnen in Alten- und Pflegeheimen mit HA-MRSA besiedelt oder infiziert.

CA-MRSA (community-acquired MRSA)

MRSA-Infektionen treten auch außerhalb von Krankenhäusern/der medizinischen Versorgung auf. Seit etwa zehn Jahren steigt die Inzidenz von Infektionen mit MRSA in der Allgemeinbevölkerung international an. In Deutschland ist diese Zunahme bisher nicht nachgewiesen: Nur bei ca. 1 - 2 % der Personen mit Hautinfektionen konnte der so genannte CA-MRSA (community-acquired oder community-associated MRSA) nachgewiesen werden (4). CA-MRSA verbreitet sich v. a. im familiären Umfeld von MRSA-PatientInnen oder wird in Endemiegebieten erworben (9). Ein CA-MRSA ist epidemiologisch dadurch definiert, dass der Patient/die Patientin innerhalb des letzten Jahres weder hospitalisiert noch sonstigen Kontakt zu einer Gesundheitseinrichtung gehabt hat. CA-MRSA treten also unabhängig von Krankenhausaufenthalten als Infektionserreger und Besiedler auf. Im Vergleich zum HA-MRSA gibt es einige Unterschiede:

  • CA-MRSA betrifft mehr junge und gesunde Menschen, die also nicht zum klassischen Risikokollektiv gehören (s. Screening) (8).
  • CA-MRSA hat ein relativ enges Krankheitsspektrum, ist aber hoch virulent. Er ist überwiegend im Zusammenhang mit schweren tiefgehenden Haut- und Weichteilinfektionen (Furunkel, Karbunkel, Abzesse) (6) als auch nekrotisierenden Lungenentzündungen nachzuweisen (5, 8).
  • CA-MRSA ist in der Regel nicht multiresistent. Trotzdem sollten schwere MRSA-Infektionen mit speziellen Antibiotika behandelt werden (9), um schwerwiegende Schäden und einen komplizierten Krankheitsverlauf zu reduzieren.

LA-MRSA (livestock-associated MRSA)

Derzeit gewinnen tierische Reservoire von MRSA an Bedeutung, die auch als livestock-associated bezeichnet werden (LA-MRSA). Etwa 70 % aller Schweine und 30 % aller Rinder (Nutztierhaltung) in Deutschland sind mit diesem Typ von MRSA besiedelt (= kolonisiert), selten sind sie infiziert. LA-MRSA ist grundsätzlich auf den Menschen übertragbar: 86 % aller Schweinehalter sind ebenfalls besiedelt. Problematisch wird es, wenn diese Personen den Erreger in Krankenhäuser oder andere Einrichtungen mit Risikogruppen importieren. In Regionen mit einer hohen Zahl von Schweinehaltern ist die Anzahl von LA-MRSA in Krankenhäusern hoch (z. B. Münsterland: 17 % der MRSA-Fälle), s. als Übersicht: (4).

 

Risikofaktoren und -gruppen für eine MRSA-Besiedlung oder -Infektion

Risikofaktoren

  • Unzureichende Hygienemaßnahmen
  • Nicht-/Selektiv-Durchführung eines Screenings (Screening s. u. Diagnostik/Nachweis)

Risikogruppen

Menschen mit ...

  • chronischen Krankheiten
  • höherem Alter
  • schwachem Immunsystem
  • Wunden und chronischen Hautläsionen
  • medizinisch/pflegerischem Berufsumfeld
  • Kontakt zu MRSA-TrägerInnen oder infizierten PatientInnen
  • einer vorangegangenen Antibiose oder Krankenhausaufenthalt
  • intravasalem Katheter (z. B. liegende CAPD Katheter)
  • regelmäßigen Hämodialysebehandlungen
  • dauerhaft liegenden Zugängen (z. B. DialysepatientInnen, onkologische PatientInnen)
  • maschineller Beatmung
  • parenteraler Ernährung
  • Tracheostoma
  • Dekubitalulcera
  • chirurgischen Eingriffen

In Krankenhäusern sind schwerst Pflegebedürftige und Neugeborene (besonders auf Intensivstationen) gefährdet. Sie haben ein besonders geschwächtes Immunsystem und zudem häufig Kontakt mit dem Krankenhauspersonal. Gefährdet sind auch Menschen aus Senioren- und Pflegeheimen, weil sie oft eine Vielzahl von Risikofaktoren aufweisen.

Literatur

1. Robert Koch-Institut (RKI) (2009): Homepage. RKI-Ratgeber für Ärzte. Staphylokokken-Erkrankungen.

2. Kipp, F.; Hornberg, C. (2008): MRSA-Screening. Praxis und Ökonomie. Schopfheim: ComMed.

3. Hryniewicz, W. (1999): Epidemiology of MRSA. Infection 27 Suppl 2, S. S13–16. Hinweis: Nur Abstract, nicht frei zugänglich.

4. Köck, R.; Mellmann, A.; Friedrich, A. W.; Kipp, F.; Becker, K. (2011): Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus in Deutschland: Epidemiologie. Dtsch Arztebl Int 108 (45), S. 764–767.

5. Zimmerli, W. (2005): Infektiologie: Der ambulant erworbene methicillinresistente Staphylococcus aureus (CA-MRSA). Schweiz Med Forum (5), S. 1285–1287.

6. Robert Koch-Institut (RKI) (2011): Auftreten und Verbreitung von MRSA in Deutschland 2010. Epidemiologisches Bulletin 26, S. 233–241.

7. Mielke, M.; Bölt, U. C.; Geffers, C.; Arbeitsgemeinschaft nosokomiale Infektionen am RKI (2010): Basisdaten der stationären Krankenhausversorgung in Deutschland – nosokomialer Infektionen. Epidemiologisches Bulletin 36, S. 359–361.

8. Naimi, T.S. et al. (2003): Comparison of community and health care-associated methicillin-resistant Staphylococcus aureus infection. JAMA, 290 (22), S. 2976–2984.

9. Nationales Refenzzentrum für Staphylokokken und Enterokokken (NRZ) (2013): Eigenschaften, Häufigkeit und Verbreitung von MRSA in Deutschland – Update 2011/2012. Epidemiologisches Bulletin 21, S. 187–193.

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Multiresistente Erreger