FAQs

  1. Was bedeutet MRSA?
  2. Was bedeutet community-acquired MRSA (CA-MRSA)?
  3. Wie wird MRSA übertragen und wie kann das vermieden werden?
  4. Gibt es Risikofaktoren, um Träger von MRSA zu werden (MRSA-Kolonisation)?
  5. Was sind Risikofaktoren für eine MRSA-Infektion?
  6. Was bedeutet "MRSA-Kontaktpatient"?
  7. Kann MRSA sich ausbreiten?
  8. Was ist der Unterschied zwischen Besiedlung (Kolonisation) und Infektion?
  9. Wie wird eine Untersuchung auf MRSA durchgeführt (Abstrich)?
  10. Welche Maßnahmen müssen bei einem Patienten mit (Verdacht auf) MRSA-Besiedlung/Infektion im Krankenhaus durchgeführt werden?
  11. Wie lange kann sich MRSA auf der (Schleim-)Haut des Menschen halten (Trägerdauer)?
  12. Warum soll bei Vorliegen von Risikofaktoren vor oder bei Aufnahme eine Untersuchung auf das Vorliegen einer MRSA-Trägerschaft durchgeführt werden (Screening)?
  13. Welche Bedeutung hat das Eingangsscreening von MRSA-Risikopatienten für das Personal im Krankenhaus?
  14. Wann muss Personal auf MRSA hin untersucht werden?
  15. Kann man MRSA behandeln?
  16. Was bedeutet Sanierung?
  17. Was ist mit MRSA-Kreislauf gemeint?
  18. Warum kommt es zur Wiederbesiedlung bei sanierten Patienten?
  19. Wie lange muss ein MRSA-Träger im Krankenhaus in einem Einzelzimmer mit zusätzlichen Hygienemaßnahmen gepflegt werden?
  20. Ist es gefährlich in demselben Raum mit einem MRSA-Patienten zu sein?
  21. Können MRSA-Träger im Krankenhaus gemeinsam in einem Zimmer untergebracht werden? Gilt dies auch für Patienten mit unterschiedlichen MRSA-Genotypen?
  22. Können MRSA-Träger im Krankenhaus gemeinsam in einem Zimmer untergebracht werden, wenn einer von Ihnen bereits (an)saniert wird?
  23. Welche besondere Schutzmaßnahmen sind bei der Entlassung eines MRSA-Patienten aus dem Krankenhaus zu beachten?
  24. Warum müssen MRSA Patienten nur im Krankenhaus im Einzelzimmer isoliert werden, nach ihrer Entlassung jedoch weder zu Hause, noch im Altenheim oder in der Arztpraxis?
  25. Wie häufig gibt es in Deutschland und Europa MRSA?
  26. Warum werden in deutschen Krankenhäusern bis zu über 80% der MRSA bei Aufnahme der Patienten nachgewiesen?
  27. Welche Hauptstrategien werden gegen die Ausbreitung von MRSA im Krankenhaus verfolgt?
  28. Warum ist Netzwerkbildung aller Akteure im Gesundheitswesen entlang des MRSA Kreislaufs wichtig?
  29. Warum müssen zu Hause keine strengen Maßnahmen getroffen werden, aber im Krankenhaus schon?
  30. Ist der Nachweis von MRSA meldepflichtig?
  31. Kann sich der Mensch über Lebensmittel mit MRSA infizieren?
  32. Können Verbraucher erkennen, ob ein Lebensmittel mit MRSA verunreinigt ist?

Ihre FAQ ist nicht dabei? Schauen Sie doch mal auf den Seiten des mrsa-net.nl und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

1. Was bedeutet MRSA?

MRSA ist die Abkürzung für Methicillin-Resistenter-Staphylococcus-Aureus.
Bezeichnet werden damit Bakterienstämme des Typs Staphylococcus aureus (S. aureus), die Mehrfach-Resistenzen gegenüber verschiedenen Antibiotika entwickelt haben. Bevorzugte Körperregionen für eine Besiedlung mir MRSA sind Nasenvorhof, Rachen, Dammbereich und Leistengegend. Für gesunde Menschen ist eine Besiedlung (= Kolonisation) mit dem Keim ungefährlich. Erst wenn der Keim die Hautbarriere durchdringen kann und es zu einer Besiedlung von Wunden und offenen Hautstellen kommt, kann es zu Infektionen mit teils schweren Verläufen und Komplikationen wie Lungenentzündungen, Harnwegsinfektionen oder Blutvergiftungen kommen. Darüber hinaus haben die Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und chronischen Vorerkrankungen ein besonders hohes Risiko für schwerwiegende Infektionen, die nur schwer oder gar nicht mehr therapiert werden können.

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2. Was bedeutet community-acquired MRSA (CA-MRSA)?

In den letzten Jahren sind weltweit vermehrt MRSA, unabhängig von Krankenhausaufenthalten und ähnlichen stationären Einrichtungen, als Besiedler und Infektionserreger aufgetreten. Entsprechend werden diese Varianten des S. aureus als "community-aquired" oder auch "community-associated", kurz CA-MRSA, bezeichnet.

CA-MRSA sind in der Lage, auch bei gesunden Menschen schwere Infektionen zu verursachen, die in einigen Fällen lebensbedrohlich werden können. Im Gegensatz zu nosokomial erworbenen MRSA hat der CA-MRSA ein relativ kleines Krankheitsspektrum, ist aber hoch virulent. CA-MRSA werden überwiegend aus Weichteilinfektionen isoliert wie beispielsweise der Furunkulose (tief schmerzhafte Entzündung des Haarbalgs und des umliegenden Gewebes).

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3. Wie wird MRSA übertragen und wie kann das vermieden werden?

Die Übertragung von MRSA erfolgt über drei verschiedene Wege.

I.) Der wichtigste Übertragungsweg ist der direkte Kontakt über dauerhaft bzw. vorübergehend kolonisierte Haut oder Schleimhaut. Hauptsächlich wird der Erreger über die Hände übertragen und verbreitet. Eine konsequente Händehygiene ist daher das zentrale Element jeder Präventionsmaßnahme.

II.) Die Bakterien können auch über kontaminierte Stoffe, Oberflächen und Gegenstände verbreitet werden (z. B. Kleidung, Türklinken, Tische etc.). Eine Übertragung auf diesem Weg wird als Umgebungskontamination bezeichnet. Wichtige Maßnahmen, um eine solche Übertragung zu verhindern, sind die Entsorgung besiedelter Gegenstände oder die Dekontamination mit Desinfektionsmitteln.

III.) Auch eine Übertragung über den Luftweg ist möglich. Tröpfchen und Tröpfchenkerne werden hierbei teilweise weit durch die Luft getragen und kontaminieren Oberflächen und Personen. Um eine Übertragung auf dem Luftweg zu verhindern, ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ein wichtiges Präventionsmittel.

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4. Gibt es Risikofaktoren, um Träger von MRSA zu werden (MRSA-Kolonisation)?

Grundsätzlich besteht ein erhöhtes Risiko für MRSA-Besiedlungen bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Weitere Risikofaktoren, die eine Besiedlung mit MRSA begünstigen sind:

  • Eine positive MRSA-Anamnese, d. h. einmal MRSA-Träger gewesen zu sein, auch wenn eine erfolgreiche Sanierung durchgeführt worden ist.
  • (häufiger) Kontakt zu einem MRSA-Träger
  • Krankenhausaufenthalt (> 24 h) innerhalb der letzten sechs Monate bzw.  innerhalb der letzten zwölf Monate in einem deutschen Krankenhaus
  • Aufenthalt in einem Alten-/Senioren-/Pflegeheim (> 24 h) innerhalb der letzten sechs Monate
  • chronische Pflegebedürftigkeit
  • Katheter (Dauerkatheter, Supra Pubischer Darm Katheter, Perkutane endoskopische Gastrostomie-Sonde, Harnblasenkatheter)
  • Dialysepflichtigkeit
  • offene chronische Wunden, tiefe Weichteilinfektionen der Haut (z. B."offenes Bein)
  • Antibiotikatherapie in den zurückliegenden sechs Monate
  • Brandverletzungen  

Bei Vorliegen eines oder mehrerer Risikofaktoren ist in erster Linie bei Personen mit Vorerkrankungen eine Untersuchung auf Vorliegen einer MRSA-Trägerschaft entweder vor oder bei der Krankenhausaufnahme durchzuführen (risikobasiertes Screening).

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5. Was sind Risikofaktoren für eine MRSA-Infektion?

Risikofaktoren können in expositionelle und prädisponierende Risikofaktoren eingeteilt werden.

Expositionelle Risikofaktoren: Patienten, die in Einrichtungen mit bekanntermaßen hoher Prävalenz behandelt werden, haben ein erhöhtes Risiko an einer Infektion zu erkranken. Neben den epidemiologischen Faktoren spielen ökologische Faktoren eine erhebliche Rolle. Hierzu gehören:

  1. stationäre Aufenthalte in Einrichtungen mit bekanntermaßen hoher MRSA-Prävalenz
  2. unzureichende Handhygiene
  3. breiter Antibiotikaeinsatz (keine rationale Antibiotikatherapie)
  4. regelmäßiger Kontakt mit MRSA-Trägern (Bereiche, in denen Angehörige in die Pflege involviert sind)

Prädisponierende Riskofaktoren: Unter prädisponierenden Risikofaktoren versteht man vor allem Erkrankungen, die die Physiologie und Integrität von Haut- und Schleimhaut beeinträchtigen. Des Weiteren gilt der Schweregrad der Erkrankung als ein prädisponierender Risikofaktor. Zu diesen Risikofaktoren gehören u. a.:

  • hohes Alter
  • schwere Erkrankungen (insbesondere Immunsuppression)
  • chronische Haut- und Schleimhauterkrankungen (Schuppenflechte, Neurodermitis)
  • vorhandene Wunden, Hautläsionen (Diabetiker, Patienten mit Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose chronische venöse Insuffizienz)
  • medizinische Eingriffe (Ernährungssonde, Drainagen, Tracheostomate, Harnwegs- und Gefäßkatheter etc.)

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6. Was bedeutet "MRSA-Kontaktpatient"?

Als MRSA-Kontaktpatient gilt, wer mit einem MRSA-Träger Kontakt hat oder hatte (z. B. das Zimmer teilt). Somit besteht möglicherweise ein erhöhtes Risiko, dass auch der Kontaktpatient mit dem Erreger besiedelt ist. Um dies auszuschließen oder zu bestätigen, sind beim Kontaktpatienten einmalig Abstriche zur Untersuchung auf MRSA zu nehmen.

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7. Kann MRSA sich ausbreiten?

MRSA kann auf andere Patienten übertragen werden und sich ausbreiten. Häufig verliert sich der MRSA wieder von der Haut. Eine Ausbreitung wird jedoch bei Vorliegen bestimmter Risikofaktoren begünstigt. Meist kommt es nur bei Personen mit Vorerkrankungen, sowie bei Patienten mit einem schwachen Immunsystem zu einer Infektion. Da Patienten im Krankenhaus häufig mehrere Risikofaktoren aufweisen, übertragen sich MRSA, insbesondere bei mangelhaften Hygienemaßnahmen, bei Patienten in Akutkrankenhäusern sehr schnell.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass MRSA nicht bei jedem Kontakt übertragen werden muss. Die Übertragung eines MRSA-Erregers folgt biologischen Gesetzmäßigkeiten. Folgende Grundvoraussetzungen sind für eine Übertragung notwendig:

  1. ausreichende Keimzahl auf der Haut des MRSA-Trägers

  2. direkter und wiederholter Kontakt mit kolonisierten MRSA-Trägern
  3. Vermehrung des MRSA auf der Haut
  4. Vorliegen von Risikofaktoren (mehrfacher oder langandauernder Antibiotikaeinsatz, Wunden, Katheter etc.)

Die Wahrscheinlichkeit für eine Ausbreitung von MRSA steigt bei häufigem und intensiven Kontakt mit MRSA-Trägern. Zudem werden bei verschiedenen Maßnahmen (z. B. endotracheales Absaugen) hohe Mengen an MRSA freigesetzt. Aus diesem Grund sind, je nach Tätigkeit, besondere Schutzmaßnahmen im Krankenhaus als primärer Ort der MRSA-Verbreitung notwendig.
MRSA kann zwar in der Umgebung überleben und von dort auf die Haut eines Menschen gelangen, jedoch ist hierzu ein häufiger, mehrmals täglicher Kontakt Vorraussetzung.

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8. Was ist der Unterschied zwischen Besiedlung (Kolonisation) und Infektion?

Besiedlung (Kolonisation) bedeutet, dass MRSA-Bakterien auf der (Schleim)Haut des Menschen siedeln und sich vermehren, ohne dass eine Erkrankung verursacht wird. Besiedelte Patienten nennt man auch MRSA-Träger.  Patienten mit Besiedlung können saniert werden, d. h. durch Waschungen und/oder die Behandlung mit Nasensalbe wird versucht, den MRSA von der Haut zu beseitigen, bevor er eine Infektion auslösen kann. Bei einer Infektion mit MRSA dringen Keime über die (Schleim)Haut ein und verursachen bei dem betroffenen Menschen Krankheitssymptome. Sowohl im Fall einer Kolonisation (= Besiedlung) als auch bei einer Infektion müssen dieselben Hygienemaßnahmen konsequent durchgeführt werden. Patienten mit einer Infektion bekommen zusätzlich eine Antibiotikatherapie in Tablettenform oder als Infusion.

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9. Wie wird eine Untersuchung auf MRSA durchgeführt (Abstrich)?

Die Feststellung einer Trägerschaft erfordert eine mikrobiologische Untersuchung in einem Labor. Hierfür wird ein Abstrich mit einem Watte- oder Polyurethantupfer von der Haut/Schleimhaut genommen. MRSA siedelt vorwiegend auf der Schleimhaut der Nasenvorhöfe, im Rachen, unter den Achseln, am Haaransatz der Stirn, in der Leiste und in Wunden. MRSA kann aber auch im Blut und im Urin nachgewiesen werden. Im Labor wird das Vorhandensein von MRSA durch einen kulturellen Nachweis bestimmt. Werden keine MRSA nachgewiesen, so gilt der/die Untersuchte als MRSA negativ, bei einem positiven Befund MRSA-positiv. Muss das Ergebnis rasch vorliegen (anstehende OP etc.) so kann ein Schnelltest durchgeführt werden.

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10. Welche Maßnahmen müssen bei einem Patienten mit (Verdacht auf) MRSA-Besiedlung/Infektion im Krankenhaus durchgeführt werden?

  • MRSA-Patienten werden in einem Einzelzimmer oder gemeinsam mit anderen MRSA-Trägern gepflegt, um eine Weiterverbreitung des Keimes auf andere Personen zu verhindern. Dazu eignen sich am besten Zimmer mit einer Schleuse. Eine solche Schleuse ist i. d. R. ein abgeschlossener (Vor-)Raum mit der Möglichkeit, dort Kittel, Mundschutz, Desinfektionsmittel und Pflegeutensilien zu lagern. Hier können Pflegepersonal und Angehörige Schutzkleidung anlegen, bevor das Patientenzimmer betreten wird.
  • Alle Kontaktpersonen verwenden im Umgang mit MRSA-Patienten Schutzkittel, Mund-Nasen-Schutz, Handschuhe und ggf. eine Haube. Bevor die Personen das Zimmer oder die Schleuse verlassen, ist ein erneute Händedesinfektion erforderlich. Die Schutzbekleidung wird vorher ausgezogen und entsorgt.
  • Auch Besucher müssen Schutzkleidung tragen und die Hände beim Verlassen des Zimmers desinfizieren.
  • Gegebenenfalls wird bei MRSA-Trägern eine Sanierungstherapie durchgeführt.
  • Zur Überprüfung einer MRSA-Trägerschaft werden u.a. Abstriche vom Nasenvorhof und ggf. vom Rachen, der Region um den Anus und von Wunden entnommen. Diese werden ins Labor zur Untersuchung geschickt. Lässt sich in diesen Abstrichen drei mal hintereinander kein MRSA mehr nachweisen, so gelten Patienten als MRSA-negativ und die besonderen Hygienemaßnahmen können aufgehoben werden.
  • Patienten, die MRSA-positiv waren, müssen nach erfolgreicher Sanierungstherapie innerhalb von 12 Monaten weitere zwei bis drei Mal mittels Abstrichen kontrolliert werden um zu prüfen, ob das Ergebnis weiterhin negativ ist.
  • Patienten sollten bei jedem Arztbesuch und Krankenhausaufenthalt angeben, dass sie MRSA-Träger waren, damit der MRSA-Status erneut überprüft werden kann. Dieses Vorgehen dient zum Schutz der anderen Patienten und vor einer weiteren Verbreitung des Erregers.

Für weitere Fragen wenden Sie sich an Ihr zuständiges Gesundheitsamt oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

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11. Wie lange kann sich MRSA auf der (Schleim-)Haut des Menschen halten (Trägerdauer)?

Die Dauer der Besiedlung hängt davon ab, ob sanierungshemmende Faktoren, wie z. B. eine Ernährungssonde oder Katheter gelegt sind oder ob zu dem Zeitpunkt Antibiotika gegeben werden. Eine Sanierung ist dann selten erfolgreich und der Patient kann über viele Monate MRSA-Träger sein. Ohne sanierungshemmende Faktoren gelingt eine Sanierung in den meisten Fällen innerhalb von zwei Wochen.

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12. Warum soll bei Vorliegen von Risikofaktoren vor oder bei Aufnahme eine Untersuchung auf das Vorliegen einer MRSA-Trägerschaft durchgeführt werden (Screeninguntersuchung)?

Das Wissen über die MRSA-Trägerschaft ist zunächst für den einzelnen Patienten selbst wichtig, der vor einer medizinischen Behandlung steht. Infektionen durch MRSA nach medizinischen Maßnahmen, wie z. B. nach Opertation oder Beatmung, werden am häufigsten durch die Bakterien, die bereits die (Schleim-)Haut des Menschen besiedeln, ausgelöst. Ist der Patient bei Krankenhausaufnahme bereits mit MRSA kolonisiert (sog. "endogene Infektion" durch körpereigene Keime), so ist diese die wahrscheinlichste Ursache für eine spätere Infektion. Andernfalls hat eine Übertragung während des Aufenthalts im Krankenhaus stattgefunden.

Ist die Trägerschaft bekannt, so können Maßnahmen zur Dekolonisierung (sog. "exogene Infektion") eingeleitet werden, die einer endogenen Infektion des Patienten selbst sowie einer Übertragung auf andere Patienten oder das Personal vorbeugen. Wird bekannt, dass die Kolonisation im Krankenhaus stattgefunden haben muss, sind Maßnahmen, die eine weitere Übertragung verhindern, einzuleiten.

Eine MRSA-Trägerschaft wird mittels Abstrich bei einer stationären Aufnahme geprüft und hat dreifache Bedeutung:

  1. Schutz des betroffenen MRSA-Trägers: Ist die Trägerschaft bekannt, kann vor Operationen ein Sanierungsversuch unternommen werden. Durch Sanierung können signifikant Infektionen verhindert werden.
  2. Ein Abstrich sowie ein Antibiogramm ermöglicht eine effektive Behandlung mit spezifischen Antibiotika: Weiß der Arzt, dass sein Patient MRSA-Träger ist, wird er diesen Erreger beim Auftreten einer Infektion in seine kalkulierte Antibiotikatherapie miteinbeziehen.
  3. Schutz anderer Patienten und des Personals: MRSA-Träger werden im Krankenhaus besonders behandelt. Die Übertragung von MRSA über Personal auf andere Mitpatienten wird durch Handschuhe und Schutzkittel sowie durch die Isolation von MRSA-positiven Patienten verhindert. Das Personal trägt einen Mundschutz und ggf. Haarschutz, um sich nicht selbst mit MRSA zu besiedeln (sowohl transient als auch permanent), und um eine weitere Übertragung auf und Infektion von Patienten zu verhindern.

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13. Welche Bedeutung hat das Eingangsscreening von MRSA-Risikopatienten für das Personal im Krankenhaus?

Personal kann durch ungeschützten Kontakt mit MRSA-Patienten besiedelt sein. Der Grund liegt vielfach darin, dass Krankenhäuser MRSA-Risikopatienten bei der Aufnahme nicht auf eine MRSA-Besiedlung oder Infektion hin untersuchen und damit MRSA bzw. MRSA-Überträger für das Personal nicht erkennbar sind.

Wie bereits erwähnt (s. Frage 11), kann sich das Personal im Krankenhaus nur vor einer MRSA-Besiedlung schützen, wenn Standardhygienemaßnahmen und notwendige besondere Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Diese werden über die gesamte Dauer des Aufenthaltes eines MRSA-Patienten und bei allen invasiven Maßnahmen durchgeführt. Entsprechende Hygienemaßnahmen sind um so wichtiger, wenn in der Region, in der das Krankenhaus liegt, so genannte community-aquired MRSA (CA-MRSA) zirkulieren.

In jedem Fall gelten zum Schutz des Personals vor MRSA die Angaben der TRBA 250 (Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe).

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14. Wann muss Personal auf MRSA hin untersucht werden?

Das Personal muss bezüglich MRSA bei begründetem Verdacht auf einen MRSA-Überträger unter den Mitarbeitern des Krankenhauspersonals untersucht werden (Screening des Personals).

Gesundes Personal muss nur dann auf MRSA untersucht werden, wenn es potentieller MRSA-Überträger ist. Dies kann im Krankenhaus, seltener im Alten-/Pflegeheim notwendig sein. In der Arztpraxis, im Krankentransportdienst und zu Hause ist ein vorbeugendes Screening nur in Ausnahmefällen sinnvoll.

Der MRSA-Überträger ist für die Prävention der Erregerverbreitung von Bedeutung und sollte saniert werden. Ein routinemäßiges Screening des Personals macht jedoch keinen Sinn. MRSA-Erstisolate von Patienten sollten im Krankenhaus spa-typisiert werden. Kommen zwei oder mehr MRSA-Isolate mit identischem Spa-Typ auf einer Station vor, ohne dass ein anderer plausibler Grund für die Übertragung (z. B. gleiche(s) Zimmer/Nasszelle) vorliegt, so liegt es nahe, dass ein MRSA-Überträger auf der Station arbeitet. In diesem Fall ist ein Screening des als Überträger in Frage kommenden Personals sinnvoll. Mit dieser Vorgehensweise kann viel Geld gespart und Ärger vom Personal ferngehalten werden.

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15. Kann man MRSA behandeln?

Ja, dabei muss jedoch zwischen einer MRSA-Trägerschaft und einer MRSA-Infektion unterschieden werden (s. Frage 8).

MRSA-Träger werden mit einem desinfizierendem Shampoo, Nasensalbe und/oder Hautsalbe saniert (Sanierung), d.h. die Bakterien werden damit von Haut, Schleimhäuten und Körperoberflächen entfernt (s. Frage 16).

Bei MRSA-Infektionen, ist eine Therapie mit Antibiotika erforderlich. Obwohl MRSA resistent gegen viele Antibiotika ist, gibt es so genannte Reserveantibiotika, die zur Therapie von MRSA-Infektionen einsetzbar sind. Mittels einer mikrobiologischen Laboruntersuchung (Antibiogramm) kann festgestellt werden, auf welche Antibiotika der Erreger empfindlich reagiert. Diese Antibiotika werden in der Regel nur im Krankenhaus verabreicht. Abhängig vom Status des Immunsystems des Patienten ist eine erfolgreiche Therapie durchführbar. In jedem Fall muss zusätzlich die MRSA-Besiedlung von der Haut und Schleimhaut der Patienten entfernt werden (Sanierungstherapie), damit die Grundlage für künftige Infektionen mit diesem Erreger eliminiert wird. Eine Erfolgskontrolle durch Abstriche schließt die Behandlung ab. In manchen Fällen sind mehrere Antibiotikatherapien notwendig. Menschen können keine Immunabwehr gegen MRSA aufbauen.  

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16. Was bedeutet Sanierung?

Die so genannte Sanierung oder Sanierungstherapie dient der Eliminierung (Beseitigung) der MRSA-Bakterien von der Haut und den Schleimhäuten des Trägers. Bei besiedelten Menschen ohne Risikofaktoren lässt sich MRSA aus seinem bevorzugten Hauptreservoir, dem Nasenvorhof, durch antibiotische oder antiseptische Nasensalben meist in kurzer Zeit (einige Tage) leicht entfernen. Auch desinfizierende Seifen und Shampoos werden angewendet. Der Erfolg der Sanierung wird mittels Abstrichuntersuchungen kontrolliert. Häufig wird eine stationäre begonnene Sanierung nach Entlassung aus dem Krankenhaus ambulant weitergeführt und beendet.

Liegen sanierungshemmende Faktoren vor (Wunden, Katheter etc.), muss zunächst die Heilung bzw. Beendigung der medizinischen Intervention abgewartet werden, bevor die endgültige MRSA-Sanierung durchgeführt wird. Dennoch kann in dieser Phase eine Sanierungstherapie zur Keimreduktion sinnvoll sein, wenn durch die Sanierung/Reduktion einer MRSA-Besiedlung (z. B. in der Nase) eine MRSA-Infektion (z. B. einer bisher nicht verkeimten Wunde) vermieden werden kann.

Wird vor einer Krankenhausaufnahme, beispielsweise für einen elektiven Eingriff, eine MRSA-Trägerschaft bekannt, so wird die Sanierung bereits vor der stationären Aufnahme und dem Eingriff eingeleitet. Dies dient der Risikominimierung von Übertragungen und Infektionen aller Beteiligten (Patienten und Personal).

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17. Was ist mit MRSA-Kreislauf gemeint?

Eine MRSA-Sanierung dauert in der Regel länger als der durchschnittliche stationäre Aufenthalt eines Patienten. Patienten verlassen daher das Krankenhaus mit MRSA auf ihrer Haut (die Sanierung wird ambulant weitergeführt und abgeschlossen). Das stellt für gesunde Mitmenschen keine gesundheitliche Gefährdung dar, solange diese keine offenen Wunden oder ein stark geschwächtes Immunsystem haben, welche Risikofaktoren für eine MRSA-Infektion darstellen.

Dennoch bestehen Probleme der Wiederbesiedlung (s. Frage 16), Übertragung und Verbreitung (s. Frage 7) von MRSA: Da bei erneuten Krankenhausaufenthalten eine erhöhte Gefahr für eine MRSA-Trägerschaft und eine Übertragung auf andere Patienten besteht, muss alles getan werden, damit die betroffenen Patienten nicht wieder mit MRSA besiedelt sind (Sanierung, professionelles Wundmanagement). Der MRSA-Patient muss ausgehend vom Akutkrankenhaus, über die Reha-Klinik, den niedergelassenen Arzt, im Alten- und Pflegeheim bis hin zum nächsten Krankenhausaufenthalt unter Einbeziehung der lokalen MRSA-Experten (Fachärzte für Mikrobiologie, Fachärzte für Hygiene, Hygienefachkräfte) und der Gesundheitsämter weiter betreut werden. Alle Akteure müssen entlang des MRSA-Kreislaufs zusammenarbeiten (Gemeinschaftsaufgabe). Lokale Netzwerke wie unser mre-owl.net unterstützen dieses Vorhaben.

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18. Warum kommt es zur Wiederbesiedlung bei sanierten PatientInnen?

Die Wiederbesiedlung mit MRSA kann unterschiedliche Ursachen haben, z. B.:

  • Erfolglose Sanierung (Sanierungstherapie mit wenigen Erfolgsaussichten, aufgrund Katheter, Ernährungssonde etc.)

  • Inadäquates Sanierungskonzept bei Vorliegen von sanierungshemmenden Faktoren (u. a. Wunden, Operationen, Verwendung von Antibiotika)

  • Behinderung der Dekontamination durch bestimmte Faktoren (z. B. Geschwüre, Katheter, Wunden etc.)

  • Kontakt mit MRSA-kontaminierten Flächen oder MRSA-kolonisierten Personen im Haushalt oder in der direkten Umgebung

  • Neubesiedlung durch einen anderen "neuen" MRSA-Stamm aus anderer Quelle

  • Zusätzliches, bislang nicht saniertes oder unbekanntes MRSA-Reservoir (z. B. im Darm, wo von MRSA wieder auf die Haut bzw. Schleimhaut gelangen kann).

Die erneute Kolonisierung oder Infektion muss mittels eines Abstrichs festgestellt werden. Daraufhin folgt wiederum eine Sanierung.

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19. Wie lange muss ein MRSA-Träger im Krankenhaus in einem Einzelzimmer mit zusätzlichen Hygienemaßnahmen gepflegt werden (isolierte Versorgung)?

Die besonderen Hygienemaßnahmen müssen nur im Krankenhaus so lange durchgeführt werden, bis der MRSA nicht mehr auf der Haut/Schleimhaut nachgewiesen wird: Wenn alle Resultate von Kontrollabstrichen (drei Kontrollen an drei aufeinanderfolgenden Tagen) negativ waren, wird der Patient als MRSA-negativ angesehen und die Isolierungsmaßnahmen dürfen aufgehoben werden.

Grundsätzlich richten sich bei der Behandlung alle Anstrengungen auf die Therapie der Grunderkrankung (z. B. Wunde, Dekubitus) und der anschließenden Schlusssanierung des MRSA-Trägers, um den MRSA von der Haut und der Schleimhaut des Patienten zu entfernen. Der behandelnde Arzt entscheidet gemeinsam mit dem Facharzt für Mikrobiologie bzw. dem Facharzt für Hygiene, wie lange eine Sanierung durchgeführt werden muss. Abhängig von der Grunderkrankung (z. B. beim Vorliegen einer Wunde) kann die Sanierungstherapie Tage, Wochen oder auch länger dauern. Sie muss in jedem Fall auch nach Entlassung aus dem Krankenhaus weitergeführt und kontrolliert werden, auch wenn zunächst die Heilung der Grunderkrankung im Vordergrund steht (s. Frage 16).

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20. Ist es gefährlich in demselben Raum mit einem MRSA-Patienten zu sein?

Für gesunde Menschen, auch Kinder, ist das Risiko einer MRSA-Infektion, ausgelöst durch "klassische" im Krankenhaus erworbene MRSA, sehr gering.

Natürlich bleibt, wie bei allen Infektionen, ein medizinisches Restrisiko. So lange Angehörige und Besucher gesund sind, schadet es niemandem mit einem MRSA-Patienten in einem Raum zu sein.  Auch Kontakt wie Händeschütteln ist ohne weiteres möglich. Nach dem Kontakt sollten jedoch die Hände vorbeugend desinfiziert werden.

Zum vorbeugenden Schutz der Angehörigen sollten MRSA-kolonisierte oder MRSA-Patienten (neben Therapie und Sanierung) folgende Maßnahmen beachten, um eine Ausbreitung von MRSA in ihrer Familie und die Kolonisation von Angehörigen zu verhindern:

  • gute persönliche Hygiene
  • Händedesinfektion nach Kontakt
  • Weitergabe der Information an die Pflege oder die Ärzteschaft bzw. vor und beim nächsten Krankenhausaufenthalt, dass ein Patient MRSA-Träger ist/war. So können Schutzmaßnahmen zur Prävention von einer MRSA-Ausbreitung getroffen und eine Sanierungstherapie begonnen werden.

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21. Können MRSA-Träger im Krankenhaus gemeinsam in einem Zimmer untergebracht werden? Gilt dies auch für Patienten mit unterschiedlichen MRSA-Genotypen?

Ja. MRSA-Träger können gemeinsam in einem Patientendoppelzimmer untergebracht werden. Dies gilt auch für den Fall, wenn unterschiedliche MRSA-Genotypen bei den Patienten vorliegen. Die Besiedlung mit zwei unterschiedlichen MRSA-Klonen gilt als seltenes Ereignis. Es muss jedoch der jeweilige Sanierungsstatus berücksichtigt werden, um Rückschritte in der Dekolonisierung durch eine erneute Kolonisation zu vermeiden. Eine Ausnahme liegt dann vor, wenn es sich bei einem der MRSA um einen hochvirulenten community-acquired MRSA (CA-MRSA) handelt. Ein möglicher genetischer Austausch zwischen MRSA und CA-MRSA sollte durch die Unterbringung in getrennten Patientenzimmern verhindert werden, um zukünftig das Entstehen von noch gefährlicheren, mehrfach resistenten Bakterien zu vermeiden.

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22. Können MRSA-Träger im Krankenhaus gemeinsam in einem Zimmer untergebracht werden, wenn einer von Ihnen bereits (an)saniert wird?

Grundsätzlich ist das möglich. Dabei besteht allerdings die Gefahr, dass Patienten, die sich bereits in einer fortgeschrittenen Phase der Sanierung befinden, wieder durch den Patienten besiedelt werden, der erst am Beginn der Sanierung steht.

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23. Welche besonderen Schutzmaßnahmen sind bei der Entlassung eines MRSA-Patienten aus dem Krankenhaus zu beachten?

1. Krankentransport
Während des Krankentransports ist eine Übertragung auf das Personal nur möglich, wenn es zu intensivem Kontakt zwischen Patient und Personal, beispielsweise bei Verbandwechsel oder Intubation, kommt. Aus diesem Grund ist bei diesen zuletzt genannten Maßnahmen ein Mundschutz, Handschuhe und Schutzkittel durch das Personal zu tragen. Nach Ausziehen der Schutzkleidung ist eine sofortige Händedesinfektion erforderlich. Das Tragen von weißen flüssigkeitsdichten Schutzoveralls mit Kapuze und Atemhalbmaske/Mundschutz sind beim Transport von MRSA-Patienten zu unterlassen. Übertriebener Schutz führt zur Verunsicherung von Angehörigen oder Mitbewohnern und zu unnötigen Kosten. Stattdessen sollten finanzielle Mittel gezielt zum konsequenten Einhalten von Standardhygiene, Händedesinfektion und für MRSA-bezogene Fortbildungen genutzt werden.

2. Alten-/Pflegeheime
Zum Umgang mit MRSA-Trägern im Alten-/Pflegeheim liegen klare Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert Koch-Institut (RKI) vor. MRSA-Träger müssen nicht grundsätzlich isoliert gepflegt werden. Situationsangepasste Hygienemaßnahmen reichen aus, erweiterte Maßnahmen sind bei direktem Kontakt notwendig.

3. Arztpraxis
In der Arztpraxis ist eine gute Praxislogistik (MRSA-Patient nicht im überfüllten Wartezimmer mit potenziell MRSA-gefährdeten Patienten warten lassen) und konsequente Standardhygiene (u. a. Händedesinfektion/Flächendesinfektion) erforderlich.

4. zu Hause
Kolonisierte Patienten, die MRSA im Krankenhaus erworben haben, stellen für ihre gesunden Angehörigen keine Gefahr dar. Wenn Kontakt zu Personen besteht, die offene Wunden haben oder stark immunsupprimiert sind, sollten Hygienemaßnahmen, wie die Händewäsche und -desinfektion konsequent von den entsprechenden Personen eingehalten werden, um eine Verbreitung des MRSA zu verhindern. Schwangere sind nicht besonders gefährdet und sollten sich (wie alle anderen Kontaktpersonen) nach Kontakt mit einem MRSA-Patienten die Hände waschen und desinfizieren.

5. Ambulante oder häusliche Pflege
In der ambulanten Pflege sind die Maßnahmen analog zur Heimrichtlinie anzuwenden. Beim direkten Umgang mit infizierten Wunden, Sekreten, Stuhl etc. sollten Schutzmaßnahmen wie Handschuhe angewendet und eine anschließende Händedesinfektion durchgeführt werden. Im Einzelfall müssen Fragen mit dem behandelnden Arzt, einem Hygieniker oder Mikrobiologen geklärt werden.

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24. Warum müssen MRSA Patienten nur im Krankenhaus im Einzelzimmer isoliert werden, nach ihrer Entlassung jedoch weder zu Hause, noch im Altenheim oder in der Arztpraxis?

Diese Empfehlung erscheint zunächst widersprüchlich. Während hingegen im Krankenhaus besondere Schutzmaßnahmen bei MRSA notwendig sind, muss außerhalb der Krankenhäuser deutlich weniger an Schutzmaßnahmen durchgeführt werden. Die Schutzmaßnahmen im Krankenhaus ähneln zudem denen bei Patienten mit Tuberkulose, sodass sie auf Angehörige und Mitpatienten bedrohlich wirken können. Die Schutzmaßnahmen im Krankenhaus (!) sind jedoch aus folgenden Gründen notwendig und dürfen nicht mit Maßnahmen bei Tuberkulose verwechselt werden:

1. Kohortensituation
Kontinuierliche Anwesenheit von vielen Patienten, die z. T. stark immunsupprimiert oder operiert und beatmet usw. sind; MRSA können sich ohne hygienische Maßnahmen über Wochen bis Monate in Krankenhäusern ausbreiten.
Gegenmaßnahmen:
besondere Hygienemaßnahmen (Handschuhe, Mundschutz, Schutzkittel, u. a.), Isolation im Einzelzimmer.

2. Häufiger Kontakt
Die häufig intensive Pflege mit hunderten von Handkontakten von Personal zu Patienten oder Kollegen und von Patienten zu Patienten erfordert den Einsatz von konsequenten Hygienemaßnahmen. Andernfalls kann sich der Erreger leicht im Krankenhaus weiterverbreiten.
Gegenmaßnahmen: Händehygiene, Handschuhe.

3. Selektion durch Antibiotika
Bis zu 50 % der Patienten in Krankenhäusern erhalten Antibiotika. Der hieraus resultierende antibiotische Selektionsdruck führt dazu, dass S. aureus und MRSA-Erreger (weitere) Resistenzen gegenüber Antibiotika entwickeln. Demzufolge reduzieren sich die Behandlungsmöglichkeiten mit wirksamen Antibiotika weiter. Der häufige und kontinuierliche Kontakt zu MRSA-Patienten kann außerdem dazu führen, dass Personal zum Dauerträger und damit zum MRSA-Überträger wird.
Gegenmaßnahmen:
Kontrollierte Antibiotikagabe
Kann einer der drei genannten Faktoren ausgeschlossen werden, wird MRSA nur noch in seltenen Fällen übertragen. Einfache Hygienemaßnahmen reichen aus, damit MRSA nicht mehr effektiv von Mensch zu Mensch übertragen wird.

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25. Wie häufig gibt es in Deutschland und Europa MRSA?

Auf Basis systematischer Erhebungen der Paul-Ehrlich-Gesellschaft (PEG) verlief der MRSA-Anteil an S. aureus-Isolaten zwischen 1990 und 2010 wie folgt (s. Tabelle):

Tabelle: MRSA-Anteil in % an Staphylococcus-aureus Isolaten im zeitlichen Verlauf (1990 – 2010), ermittelt durch die Paul-Ehrlich-Gesellschaft (PEG).

http://www.p-e-g.org/econtext/Datenbank

Jahr

MRSA-Anteil in % an Staphylococcus-aureus Isolaten im zeitlichen Verlauf

1990

1,7

1995

12,9

2001

17,9*

2004

17,5*

2007

20,3*

2010

16,7*

*Achtung: Zu diesen Jahren hat die PEG die Daten schon zu neuen Grenzwerten für die MRSA-Resistenz aufbereitet. Sie sind daher nicht ohne weiteres mit den älteren Daten vergleichbar, weil die aktuelleren niedriger liegen.

 

Aus weiteren Datenauswertungen von 302 Krankenhäusern (Anzahl der PatientInnen: 5.020.142) im Rahmen des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS) lässt sich für das aktuellste Bezugsjahr 2011 schließen, dass weniger als ein Fünftel aller MRSA-Fälle im Krankenhaus erworben wurden (d. h. die meisten PatientInnen sind bereits bei der Aufnahme besiedelt oder haben eine Infektion). Das weist darauf hin, dass MRSA durch die Verlegung besiedelter PatientInnen zwischen Krankenhäusern verbreitet wird. Mit Hilfe der KISS-Daten lässt sich auch die tatsächliche Anzahl an MRSA-Fällen pro Jahr in deutschen Krankenhäusern hochrechnen. Für das Jahr 2008 hat man insgesamt 132.000 MRSA-Fälle (Besiedlung und Kolonisation) geschätzt, davon wurden 34.000 als nosokomial angesehen (s. hier Beitrag von Mielke et al. 2008).

Insgesamt schwanken die für Krankenhäuser angegebenen MRSA-Prävalenzen je nach Autor und Anzahl der untersuchten PatientInnen zwischen 0,66 und 5,3 %. In Alten- und Pflegeheimen beträgt die Prävalenz etwa 1 – 3 %, wobei die Untersuchungen schon älter sind (Veröffentlichungen zwischen den Jahren 1999 und 2006; zum Weiterlesen: Zusammenfassung von Köck et al. von 2011). Die Prävalenz in Rehabilitationskliniken beträgt in den zwei größten deutschen Studien (von 2010 und 2012) 1,1 und 2,1 % (zum Weiterlesen: Grabe et al. 2010 und Dissertation von Winner 2012 (bislang unveröffentlichte Dissertation an der Universität Münster; hier das dazugehörige Projekt des EUREGIO-MRSA-net)).

Laut den aktuellsten Daten des europäischen Netzwerks EARS-net (European Antimicrobial Resistance Surveillance Network) betrug der MRSA-Anteil in den europäischen teilnehmenden Ländern im Jahr 2011 im Mittel 19,3 % und liegt somit leicht über dem deutschen Anteil.

Insgesamt kann festgestellt werden:

  • Mit steigender MRSA-Prävalenz erhöht sich das Risiko einer Besiedlung von weiteren Patienten
  • Es bestehen erhebliche regionale und lokale Unterschiede der MRSA-Prävalenz zwischen Ländern, Regionen, unterschiedlichen stationären Einrichtungen (Krankenhaus, Senioren- und Pflegeheime, Rehakliniken) sowie zwischen unterschiedlichen Abteilungen der Krankenhäuser und Rehakliniken. Besonders betroffen sind intensivmedizinische Bereiche.
  • Bei einem Datenvergleich muss klar zwischen Kolonisations- und Infektionsrate differenziert werden sowie der Art und Weise der Datenerhebung (z. B. Grenzwerte).

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26. Warum werden in deutschen Krankenhäusern bis zu über 80% der MRSA-Fälle bei Aufnahme der Patienten nachgewiesen?

Nach den Daten des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS) waren im Jahr 2011 mehr als 80 % der nachgewiesenen MRSA-Fälle bereits bei der Aufnahme positiv. Untersuchungen der genetischen Zusammensetzung der MRSA bei der Entlassung, in Altenheimen, in der Arztpraxis und bei Wiederaufnahme zeigten in der Vergangenheit, dass es sich um dieselben MRSA-Stämme handelte, die in der stationären und ambulanten Versorgung zirkulierten. Die mittlere Trägerrate betrug – abhängig von den vorliegenden Risikofaktoren – zwischen sechs Monaten und vier Jahren. Das erklärt auch, warum ein Eingangsscreening von so herausragender Bedeutung für die Vermeidung der Verbreitung von MRSA ist: Wird bei einem MRSA-Träger bei Wiederaufnahme kein Screening durchgeführt, so besteht das Risiko, bei jedem Krankenhausaufenthalt MRSA auf weitere Menschen zu übertragen.

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27. Welche Hauptstrategien werden gegen die Ausbreitung von MRSA im Krankenhaus verfolgt?

Grundsätzlich sind folgende Maßnahmen notwendig, um die Verbreitung von MRSA einzudämmen:

1. Kontrollierte und rationale Antibiotikatherapie bei der stationären und ambulanten medizinischen Versorgung
d. h. so viel wie nötig und so wenig wie möglich

2. Prävention

  • Umsetzung der Hygienemaßnahmen gemäß den Empfehlungen der KRINKO am Robert Koch-Institut
  • Isolierte Versorgung aller MRSA-Träger und Patienten mit manifester MRSA-Infektion
  • Screening von stationär aufzunehmenden Patienten, die zu Risikogruppen gehören
  • Aufklärung von MRSA-positiven und -negativen Patienten über Übertragungswege und Schutzmöglichkeiten

3. Surveillance

  • frühzeitige labordiagnostische Identifizierung von Trägern (Screening), um eine nosokomiale Übertragung durch entsprechende Maßnahmen frühestmöglich zu vermeiden und eine Sanierung einzuleiten
  • Typisierung der MRSA-Klone, um Übertragungsketten zu erkennen und einen Überblick über die Dynamik (u. a. Verteilung, Geschwindigkeit) der Verbreitung und der Persistenz (Dauerhaftigkeit) am Patienten zu gewinnen (im Typisierungsverfahren können mehr als 1000 verschiedene MRSA unterschieden werden)
  • Sammlung, Auswertung und Nutzung der Meldedaten (auf Basis der gesetzlichen Meldepflicht)  

4. Therapie und Sanierung

  • Therapie und Sanierung der Infizierten bzw. kolonisierten Personen während und insbesondere auch nach dem stationären Aufenthalt (ambulante Weiterführung und Abschluss). In den meisten Fällen steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund, bevor die gezielte Sanierung der MRSA-Kolonisation beginnt.
  • Eine Sanierung kann sowohl ambulant als auch stationär erfolgen. Nach stationärer Entlassung müssen MRSA-Patienten ambulant weiter betreut werden.

5. Aufklärung der Bevölkerung, Fortbildung von Personal im Gesundheitswesen

  • Bedeutung und Konsequenzen einer MRSA-Kolonisation und -Infektion für den Betroffenen und das Umfeld (Angehörige, Personal)
  • MRSA als Infektionskrankheit
  • Bewusstsein aller Akteure stärken: MRSA kann nur kollektiv als Gemeinschaft bekämpft und verhindert werden, die Mitarbeit aller Akteure ist wichtig für eine erfolgreiche Eindämmung
  • Schulung von Hygienekräften in Einrichtungen des Gesundheitswesens
  • Schulung und Umsetzung von Hygienemaßnahmen beim Umgang mit MRSA-Patienten

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28. Warum ist Netzwerkbildung aller Akteure im Gesundheitswesen entlang des MRSA-Kreislaufs wichtig?

Gesundheitliche Gefahren und Probleme durch MRSA müssen mit Hilfe von vernetztem Vorgehen – sowohl stationär als auch ambulant – bekämpft werden. In diesem Fall empfiehlt sich eine Zusammenarbeit entlang des MRSA-Kreislaufs (s. Frage 17) mit allen beteiligten Akteuren, die tagtäglich mit MRSA konfrontiert sind (Krankenhäuser, Arztpraxen, Laboratorien, Alten-/Pflegeheime, Gesundheitsämter, Krankenkassen u. a.). Zur Eindämmung von MRSA müssen die Beteiligten sektorübergreifend kooperieren und zusammenarbeiten (zum Weiterlesen: Präsentation vom Landeszentrum Gesundheit NRW)

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29. Warum müssen zu Hause keine strengen Maßnahmen getroffen werden, aber im Krankenhaus schon?

  1. Ein Großteil der Patienten im Krankenhaus hat durch verschiedene medizinische Indikationen und schwerwiegende Erkrankungen ein geschwächtes Immunsystem. Diese Personen tragen ein erhöhtes Risiko mit MRSA besiedelt oder infiziert zu werden. Die Isolation von MRSA-Patienten ist im Krankenhaus aus diesem Grund besonders wichtig. In Pflegeheimen ist dieses Risiko ebenfalls nicht außer Acht zu lassen, denn auch dort werden immunsupprimierte Personen pflegerisch betreut. Entsprechende Hygienemaßnahmen sind einzuhalten.
  2. Im Krankenhaus wird zum Teil intensivmedizinisch betreut, komplexe Apparaturen verwendet und Ernährungssonden und Katheter eingesetzt. Dies bedeuten für MRSA-Keime einen vereinfachten Übertragungs- und Infektionsweg. Die Gefahr einer Übertragung durch medizinische Geräte ist im Pflegeheim deutlich reduziert, dennoch ist diese durch andere Faktoren wie intensivem Kontakt zwischen Personal und zu pflegenden Personen (je nach Pflegestufe bzw. pflegerischem Aufwand) nicht zu unterschätzen.

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30. Ist der Nachweis von MRSA meldepflichtig?

Ja, der Nachweis von MRSA aus Blutkulturen und Liquor ist seit dem 01.07.2009 gemäß §7 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) in Deutschland meldepflichtig. Krankenhäuser oder Einrichtungen für ambulantes Operieren müssen das Auftreten jedes Erregers mit Resistenzen und Multiresistenzen (also auch bei MRSA) sowie mit ihm assoziierte Erkrankungen gemäß § 23 des IfSG in einer gesonderten Surveillance-Statistik erfassen und bewerten.

Wenn ein Befund erhoben wird, der auf das Vorliegen einer Infektion schließen lässt, sind sowohl private und öffentliche Untersuchungsstellen als auch Krankenhauslaboratorien zur Meldung an das zuständige Gesundheitsamt verpflichtet. Die Meldung ist dementsprechend nicht von Privatpersonen zu tätigen, sondern eine so genannte "Labormeldepflicht".

Darüber hinaus muss das gehäufte Auftreten nosokomialer Infektionen mit Verdacht auf epidemischen Zusammenhang unverzüglich dem Gesundheitsamt als Ausbruch gemeldet werden.

Die gesammelten Daten werden von Gesundheitsämtern und (für NRW) vom Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG.NRW) analysiert und ausgewertet. Hieraus können wichtige Schlüsse für Präventionsstrategien gezogen und Risikobereiche identifiziert werden. 

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31. Kann sich der Mensch über Lebensmittel mit MRSA infizieren?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schreibt dazu: Bisher sind nur wenige Fälle beschrieben, bei denen eine MRSA-Infektion des Menschen auf Lebensmittel zurückgeführt werden konnte. In diesen Fällen waren die Lebensmittel durch infizierte Personen mit MRSA verunreinigt worden. In vielen Lebensmitteln können sich MRSA kaum oder gar nicht vermehren. Grundsätzlich sicher sind alle wärmebehandelten Lebensmittel wie pasteurisierte Milch, gebratenes oder gekochtes Fleisch. Allerdings dürfen die Lebensmittel nach der Wärmebehandlung nicht erneut verunreinigt werden. Rohes Fleisch aller Tierarten kann nach derzeitigem Kenntnisstand MRSA enthalten, allerdings sind die Keimgehalte häufig sehr gering. In Einzelfällen, z. B. im Auftauwasser von Hähnchenfleisch können auch höhere Keimzahlen erreicht werden. Werden die Regeln der Küchenhygiene eingehalten, ist das Risiko einer Infektion oder Besiedlung mit MRSA über Lebensmittel gering.

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32. Können Verbraucher erkennen, ob ein Lebensmittel mit MRSA verunreinigt ist?

Nein. Das lässt sich nur durch spezielle Untersuchungen im Labor feststellen.

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